Julklapp: Bedeutung, Herkunft und Brauch erklärt
Was ist Julklapp? Das Wort kommt aus dem Schwedischen und heißt Weihnachtsklopfen. Herkunft, alter Brauch, Unterschied zu Wichteln und Ideen für heute.
Julklapp ist das schwedische Wort für Weihnachtsgeschenk und heißt wörtlich etwa „Weihnachtsklopfen“. In Norddeutschland bezeichnet es einen alten Brauch, bei dem jemand laut an die Tür klopft, ein verpacktes Geschenk ins Zimmer wirft und unerkannt verschwindet, und heute meist schlicht das Wichteln.
Wer im Norden aufgewachsen ist, kennt den Julklapp oft aus Schule oder Verein. Im Rest Deutschlands ist das Wort eher unbekannt. Hier steht, woher es kommt, wie der Brauch in Schweden und an der Ostseeküste aussah und wie du ihn bei deiner nächsten Wichtelrunde wieder aufleben lassen kannst.
Julklapp Bedeutung: Was das Wort heißt
Das Wort setzt sich aus zwei schwedischen Teilen zusammen: jul heißt Weihnachten (verwandt mit dem deutschen Julfest), klappa heißt klopfen oder pochen. Gemeint ist das Klopfen an der Tür, mit dem früher ein Geschenk angekündigt wurde.
Ins Deutsche kam das Wort laut dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) im 18. Jahrhundert. Der Duden beschreibt den Julklapp als kleines, zum Scherz oft mehrfach verpacktes Weihnachtsgeschenk, das ein unbekannter Geber nach lautem Klopfen ins Zimmer wirft. Grammatisch ist beides erlaubt: der Julklapp und das Julklapp.
In Schweden selbst ist das Wort heute ganz alltäglich. Dort ist jede „julklapp“ einfach ein Weihnachtsgeschenk, egal wer es überreicht. Die besondere Bedeutung als Brauch mit Klopfen und Heimlichkeit hat sich vor allem im Deutschen gehalten.
Der Julklapp-Brauch in Schweden
Der Julklapp war ursprünglich ein ländlicher Scherzbrauch zum Weihnachtsabend. Junge Leute zogen durchs Dorf, klopften kräftig an Tür oder Fenster und warfen ein Päckchen hinein. Wenn jemand öffnete, waren sie schon weg.
Wertvoll war der Inhalt selten. Schwedische Quellen, darunter das Nordiska museet in Stockholm, nennen Holzscheite, geschnitzte Figuren oder Strohpuppen. Dazu gehörte ein Zettel mit einem Vers, der die beschenkte Person aufzog, oft ziemlich derb. Gerade deshalb war es wichtig, nicht erkannt zu werden.
Im 19. Jahrhundert wurde der Julklapp in bürgerlichen Haushalten zum ganz normalen Weihnachtsgeschenk. Gekaufte Geschenke statt selbstgemachter Kleinigkeiten setzten sich in Schweden erst später durch, als die Einkommen im Zuge der Industrialisierung stiegen. Geblieben sind die Verse: Viele Schweden schreiben bis heute einen kurzen Reim auf ihre Geschenke, der auf den Inhalt anspielt.
Auch die Figur, die die Geschenke bringt, hat gewechselt. Lange war es der Julbock, eine Ziegengestalt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts übernahm der Jultomte, ein Hausgeist, den man im Deutschen oft mit „Wichtel“ übersetzt.
Julklapp in Norddeutschland und Pommern
In Nordostdeutschland bezeichnet Julklapp laut DWDS bis heute den Brauch, nach lautem Klopfen ein Geschenk durch ein offenes Fenster ins Haus oder durch die Tür ins Zimmer zu werfen. In Nordost- und Nordwestdeutschland wird das Wort außerdem gleichbedeutend mit Wichteln verwendet. Am häufigsten begegnet es einem in Mecklenburg-Vorpommern.
Das passt zur Geschichte der Region. Teile Vorpommerns, darunter Stralsund und Rügen, gehörten vom 17. Jahrhundert bis 1815 zu Schweden. Viele führen den Julklapp deshalb auf diese Schwedenzeit zurück. Das ist plausibel, einen eindeutigen Beleg dafür haben wir aber nicht gefunden. Sicher ist nur, dass das Wort aus dem Schwedischen stammt und im Nordosten am stärksten verwurzelt ist.
Typisch für den deutschen Julklapp ist das mehrfache Verpacken. Ein kleines Geschenk steckt in einer Schachtel, die in Zeitungspapier gewickelt ist, die in einem Karton liegt. Der Spaß liegt im Auspacken, nicht im Wert.
Julklapp, Wichteln und Secret Santa: der Unterschied
Alle drei Begriffe haben eins gemeinsam: Wer schenkt, bleibt zunächst unerkannt. Der Unterschied liegt vor allem in der Herkunft und darin, ob ausgelost wird.
| Julklapp | Wichteln | Secret Santa | |
|---|---|---|---|
| Herkunft | Schwedisch, „Weihnachtsklopfen“ | Deutsch, nach dem Wichtel als heimlichem Helfer | Englisch, „geheimer Weihnachtsmann“ |
| Wo gebräuchlich | Schweden (als Wort für jedes Weihnachtsgeschenk), Nord- und Nordostdeutschland | ganz Deutschland | englischsprachige Länder, internationale Teams |
| Auslosung | im alten Brauch nicht, heute meist ja | ja | ja |
| Typische Elemente | Klopfen, Werfen, Reim, mehrfach verpackt | Budget, gezogener Name, Bescherung | wie Wichteln |
Von einer Auslosung ist in den alten Beschreibungen des Julklapps nicht die Rede. Damals entschied jeder selbst, wen er mit einem Päckchen und einem Spottvers bedachte. Erst die heutige Form, bei der jede Person per Los genau eine andere beschenkt, macht Julklapp und Wichteln praktisch gleich. Wie so eine Runde Schritt für Schritt abläuft, steht in Wichteln: Regeln und Ablauf.
So gestaltest du einen Julklapp-Abend
Ein Julklapp-Abend ist eine Wichtelrunde mit ein paar alten Zutaten. Die Auslosung läuft wie gewohnt, nur die Bescherung wird anders.
1. Namen ziehen. Jede Person zieht geheim einen Namen. Vereinbart ein Budget mit Obergrenze und einen Termin. Wenn nicht alle an einem Tisch sitzen, lost ihr online aus.
2. Mehrfach verpacken. Das Geschenk kommt in mindestens zwei Hüllen: Schachtel, Zeitungspapier, Geschenkpapier. Wer mag, legt in jede Schicht einen kleinen Hinweis.
3. Einen Reim dazuschreiben. Zwei Zeilen genügen, etwa: „Du frierst am Schreibtisch jedes Jahr, / was hier drin ist, ist wohl klar.“ Der Reim darf auf den Inhalt anspielen oder auf eine Eigenheit der beschenkten Person, aber freundlich.
4. Klopfen und werfen. Bei der Bescherung verlassen die Schenkenden nacheinander den Raum, klopfen laut an die Tür, werfen ihr Päckchen hinein und rufen den Namen der beschenkten Person. Dann verschwinden sie, bevor jemand schaut.
5. Raten lassen. Die beschenkte Person liest den Reim vor, packt aus und rät, wer geklopft hat. Erst danach wird aufgelöst.
Werfen heißt: nichts Zerbrechliches. Kündige in der Einladung an, dass die Päckchen fliegen. Dann landet keine Glaskugel und keine Tasse auf dem Parkett.
Was beim Julklapp schiefgehen kann
Zu viele Schichten. Sieben Lagen Zeitungspapier sind bei fünf Leuten lustig. Bei zwanzig Leuten dauert die Bescherung dann über eine Stunde. Begrenzt die Hüllen auf drei.
Der Reim geht unter die Gürtellinie. Im alten Brauch waren die Verse oft gemein. Im Büro oder in der Familie mit Schwiegereltern ist das keine gute Idee. Faustregel: Der Reim muss auch dann noch nett sein, wenn alle wissen, wer ihn geschrieben hat.
Niemand kommt unerkannt raus. In kleinen Wohnungen sieht jeder, wer gerade aufsteht. Dann lieber eine Person bestimmen, die alle Päckchen einsammelt und nacheinander „klopft“. Das ist weniger stilecht, hält aber die Spannung.
Wenn ihr nicht zusammen auslosen könnt, legst du die Runde bei Wichtelplan an und teilst den Link im Gruppenchat. Jede Person sieht nach der Auslosung nur, wen sie beschenkt. Klopfen und werfen müsst ihr dann allerdings selbst.
Häufige Fragen
Heißt es der oder das Julklapp?
Beides ist richtig, Wörterbücher führen das Wort als Maskulinum und als Neutrum. Im Plural sagt man die Julklapps.
Ist Julklapp dasselbe wie Wichteln?
Im Norden Deutschlands meist ja: Wer dort zum Julklapp einlädt, meint eine Wichtelrunde mit Auslosung und Budget. Der alte Brauch war etwas anderes, nämlich ein Geschenk, das ein unbekannter Geber nach lautem Klopfen ins Zimmer warf.
Wann wird Julklapp gemacht?
Ursprünglich am Weihnachtsabend. Heute liegt der Termin meist in der Adventszeit, etwa bei der Weihnachtsfeier im Büro, im Verein oder in der Schulklasse.
Was schreibt man zu einem Julklapp dazu?
Traditionell einen kurzen Reim, der auf den Inhalt oder die beschenkte Person anspielt. Zwei Zeilen reichen. Frotzeln ist erlaubt, bloßstellen nicht.
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